Andacht zum Monatsspruch März

Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn ihm leben sie alle.
(Lk 20,38)

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist Passionszeit, für viele auch ganz bewusst Fastenzeit. Die Leiden Jesu Christi und sein Sterben sind die Themen dieser 40 Tage. Brauchen wir das eigentlich? Wir wissen doch, dass die Geschichte ein Happy End hat. Nach Karfreitag kommt Ostern. Der Tod ist überwunden. Warum also noch einmal zurückgehen zum Leiden und Sterben? – Wir brauchen diese Zeit, weil Leiden und Sterben unser Leben noch bestimmen. Täglich sind wir damit konfrontiert, am eigenen Leib, um uns herum und in der Zeitung. Deshalb ist es tröstlich, den Leidensweg dessen zu bedenken, dem seine Auferstehungsgewissheit Mut und Kraft zum Leben gab.
Die Jerusalemer Priesterschaft fand die Idee einer Auferstehung absurd. Einer von ihnen dachte sich einen haarstäubenden Fall aus, um Jesus lächerlich zu machen: ein Mann heiratet eine Frau und stirbt bald darauf. Sein Bruder übernimmt die Frau, wie es das Gesetz vorschreibt, und stirbt auch. Ebenso weitere fünf Brüder. Keiner zeugt ein Kind. Wessen Frau ist sie, wenn die Menschen auferstehen? – Jesus lässt sich nicht aufs Glatteis führen. So irdisch darf man nicht denken vom Leben jenseits dieses Lebens. Wir sterben in ein anderes, engelähnliches Leben hinein. Die uns vorausgegangen sind, sind beim Gott der Lebenden. Ein tröstlicher Gedanke. Auch wir können hoffen, unseren Tod zu überleben.
Bis dahin leben wir und bauen mutig Gemeinde mit leidgeplagten und sterblichen Menschen, die seltsamerweise oft einen Hang zum Verderblichen und Toten haben. Vergängliche Güter, vergangene Zeiten oder vergorener Traubensaft haben uns schon manche vergebliche Lebensmüh gekostet. Grund genug, durch zeitweisen Verzicht auf künstliche Lebendigkeitsgefühle neue Zugänge zu unserer gottgezeugten Lebendigkeit zu suchen. Sie schafft in uns dieselbe Auferstehungsgewissheit, die einst Jesus hatte. Vielleicht ereignen sich auf diesem Weg hier und da schon kleine Auferstehungen mitten im Leben, ganz persönlich und miteinander in der Gemeinde.

Einen gesegneten Frühlingsanfang
wünscht
Ihr/Euer Pastor Martin Grawert

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