Andacht zum Monatsspruch Februar

Schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei.
(Lk 11,35)

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn es um den Glauben geht, haben wir Baptisten ein Vorher-Nachher-Schema verinnerlicht. Kein Mensch wird gläubig geboren. Er muss zum Glauben kommen. Das geht erst, wenn sein Verstand weit genug gereift ist und wenn er annimmt, was er verstanden hat. Im Idealfall lässt er sich dann taufen. Dem Bekehrten erscheint sein Leben vorher und nachher meist so grundverschieden wie Tag und Nacht. So lesen wir es auch in der Bibel: „Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.“ (Eph 5,8).
Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Der neue Monatsspruch fordert die Glaubenden zur kritischen Selbstprüfung auf: ist dein Licht wirklich ein Licht oder ist es in Wirklichkeit Finsternis? Pass auf, dass sich das, was dir als göttlich und geistlich erscheint, nicht als frommer Selbstbetrug aus den Tiefen deines Ego entpuppt. Davor ist keiner gefeit. Wer kennt es nicht, dieses Gefühl, ach so geistlich zu sein, weil ich es mir antrainiert habe, meine „dunklen“ Gefühle zu unterdrücken und stattdessen eine angestrengt lächelnde Maske aufzusetzen? Das ist nichts weiter als frommer Selbstbetrug. Wir werden unseren Schatten nicht los. Menschen, die ihren Schatten wegdrücken, wirken unwirklich und blutleer. Nur Vampire werfen keinen Schatten, aber wer glaubt schon an Vampire? Schatten entsteht, wenn etwas dem Licht im Weg steht. Dieses Hindernis ist unser Ego. Mit ihm zu ringen ist eine der wichtigsten geistlichen Aufgaben unseres Lebens. Als Kinder des Lichts leben heißt also: im Licht Gottes leben und einen Schatten werfen, den Schatten akzeptieren und mit ihm ringen. Wenn es gut läuft, wird das Ego mit der Zeit kleiner und mit ihm unser Schatten.
Im Februar ist Faschingszeit. Zeit der Masken. Zeit vielleicht, sich die eigenen Masken anzuschauen in dem Spiegel, der Christus heißt. Nur Vampire haben kein Spiegelbild, aber wer glaubt schon an Vampire? Nach der Faschingszeit beginnt die Fastenzeit. Zeit der Schatten. Zeit vielleicht, sich den eigenen Schatten zu stellen und sich mit ihnen anzulegen. Möge es nicht bloß ein Schattenboxen sein und möge der Stärkere gewinnen!

Einen erleuchteten Februar wünscht
Ihr/Euer Pastor Martin Grawert

2 Gedanken zu „Andacht zum Monatsspruch Februar

    • Wir leben um täglich zu kämpfen und wir unterliegen leider zu oft dem dunklen Schatten der uns aus der unsichtbaren Welt angreift.
      Danke für Deine für mich aufmunternden Worte. Denn jeder Schatten der in das Licht des Herrn kommt verschwindet spurlos durch die Macht unseres Herrn!

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